Alle Beiträge

Training

Verletzungen im Jugendfußball nehmen zu: die Gründe und was wirklich schützt

Kristijan Bezjak28. August 20264 Min. Lesezeit

Ein junger Fußballer dehnt sich vor dem Training auf dem Rasenplatz.
Marina Shishkina · Pexels

Wer lange im Nachwuchs arbeitet, kennt das Gefühl, dass heute mehr ausfällt als früher. Das Gefühl täuscht nicht: Sportverletzungen bei Kindern und Jugendlichen haben in den letzten zwanzig Jahren deutlich zugenommen, und ein großer Teil davon sind keine Unfälle, sondern Überlastungen. Die haben Ursachen, und an fast jeder davon lässt sich etwas ändern.

Mehr Ausfälle, und es sind selten Unfälle

Sportverletzungen gehören bei Kindern und Jugendlichen zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche nach Unfällen, und Kliniken berichten seit Jahren von einer Zunahme. Der aufschlussreiche Teil steckt in der Art der Verletzungen: Neben dem klassischen umgeknickten Sprunggelenk wächst vor allem der Anteil der Überlastungsschäden, also Beschwerden, die sich über Wochen aufbauen, statt in einem Zweikampf zu entstehen. Ein verdrehtes Knie ist Pech. Ein gereizter Sehnenansatz, der seit vier Wochen zwickt, ist fast immer eine Frage der Belastungssteuerung.

Wachstum verändert die Belastbarkeit, mitten in der Saison

Im Wachstumsschub wachsen Knochen schneller als Muskeln und Sehnen nachkommen. An den Wachstumsfugen und Sehnenansätzen entsteht dadurch eine Phase erhöhter Empfindlichkeit, aus der typische Jugendbeschwerden wie Reizungen unterhalb der Kniescheibe oder an der Ferse kommen. Das Tückische: Diese Phase fällt oft genau in die Jahre, in denen Training und Ehrgeiz am stärksten steigen. Ein Vierzehnjähriger ist kein kleiner Erwachsener, und derselbe Trainingsplan kann für zwei Spieler desselben Jahrgangs völlig unterschiedlich schwer sein, je nachdem, wo sie gerade im Wachstum stehen.

Anzeige

Frühe Spezialisierung: ein Sport, das ganze Jahr

Immer mehr Kinder spielen früh nur noch eine Sportart, das ganze Jahr, ohne echte Pause. Studien verbinden genau dieses Muster mit mehr Überlastungsschäden: gleiche Bewegungen, gleiche Strukturen, keine Erholung durch Abwechslung. Als grobe Faustregel aus der Sportmedizin gilt, dass die wöchentlichen Trainingsstunden nicht dauerhaft über dem Lebensalter liegen sollten und dass mehrere Wochen im Jahr ganz ohne den Hauptsport eingeplant gehören. Eine zweite Sportart ist dabei kein Umweg, sondern Schutz.

Belastungssprünge: das Camp, die Turnierwoche, der Vereinswechsel

Der Körper verkraftet hohe Belastung erstaunlich gut, wenn er schrittweise dorthin geführt wurde. Was er schlecht verkraftet, sind Sprünge: das Sommercamp mit drei Einheiten am Tag nach sechs Wochen Ferien, die Turnierwoche mit fünf Spielen oder der Wechsel in einen Verein, der doppelt so oft trainiert. Studien an jugendlichen Athleten zeigen, dass eine gleichmäßige Wochenbelastung mit weniger Beschwerden einhergeht als schnelle Anstiege. Die praktische Regel ist unspektakulär: Umfang und Intensität steigen langsam, und nach einer harten Woche folgt eine ruhigere.

Schlaf ist der unterschätzte Faktor

In einer viel zitierten Untersuchung an jugendlichen Athleten hatten diejenigen, die im Schnitt weniger als acht Stunden schliefen, ein 1,7-fach höheres Verletzungsrisiko als die mit mehr Schlaf. Gleichzeitig zeigen Messungen, dass Jugendliche im Trainingsalltag oft nur um die sieben Stunden schlafen und die Empfehlung an den meisten Nächten verfehlen. Späte Einheiten verschieben das Einschlafen zusätzlich nach hinten. Wer Verletzungen vorbeugen will, fängt deshalb nicht beim Tapeverband an, sondern beim Trainingsende, das eine frühe Nachtruhe überhaupt möglich macht.

Was wirklich schützt

Die wirksamsten Maßnahmen sind bekannt und unspektakulär. Ein strukturiertes Aufwärmprogramm mit Sprung-, Stabilisations- und Kraftelementen senkt die Verletzungszahlen in Studien um etwa ein Drittel, wenn es konsequent zwei- bis dreimal pro Woche läuft. Altersgerechtes Krafttraining ist kein Risiko, sondern Schutz für Sehnen und Gelenke. Und die Belastung gehört dokumentiert, damit Sprünge sichtbar werden, bevor sie wehtun. Dafür braucht es keine Geräte: Die Einschätzung der Anstrengung nach der Einheit, multipliziert mit den Minuten, ergibt eine Wochenlast, die man vergleichen kann. Auffällig sind weniger die hohen Zahlen als die schnellen Veränderungen.

Der Teil, der den Verein angeht

Kein Jugendtrainer kann in Köpfe oder Sehnen schauen, aber jeder Verein kann drei Dinge festhalten: wer beim Training war, wie anstrengend die Einheit für den Einzelnen war und wer gerade angeschlagen ist. Aus diesen drei unspektakulären Angaben entsteht das Bild, das Überlastung früh zeigt, der Spieler, dessen Belastung sich in zwei Wochen verdoppelt hat, fällt dann vorher auf und nicht erst im Behandlungsraum. Genauso wichtig ist die Kultur dahinter: Wer Beschwerden meldet, braucht die Sicherheit, deswegen nicht automatisch seinen Platz zu verlieren. Sonst meldet es niemand.

Häufige Fragen

Ab wann ist Krafttraining für Jugendliche sinnvoll?
Mit sauberer Technik und altersgerechter Betreuung deutlich früher, als lange angenommen wurde. Kontrolliertes Krafttraining gilt heute als einer der wirksamsten Schutzfaktoren gegen Verletzungen, entscheidend sind Ausführung und schrittweise Steigerung, nicht das Alter allein.
Wie erkenne ich eine Überlastung, bevor sie zur Verletzung wird?
Typisch sind Schmerzen, die zu Beginn der Einheit auftauchen und mit dem Aufwärmen verschwinden, wiederkehrendes Zwicken an derselben Stelle und ein Leistungsknick trotz normalem Training. Solche Signale sind der Zeitpunkt zu reagieren, mit reduzierter Belastung und bei anhaltenden Beschwerden mit ärztlicher Abklärung.
Muss mein Kind mit dem zweiten Sport aufhören, um im Fußball besser zu werden?
Die Datenlage spricht eher für das Gegenteil. Vielseitige sportliche Grundlagen senken das Überlastungsrisiko, und die meisten Athleten, die es weit bringen, haben sich spät spezialisiert. Der zweite Sport ist in den meisten Fällen ein Gewinn, kein Hindernis.

Quellen

  1. Lack of Sleep and Sports Injuries in Adolescents: A Systematic Review and Meta-analysis (J Pediatr Orthop 2019)
  2. The training-injury prevention paradox: should athletes be training smarter and harder? (Gabbett, BJSM 2016)

Gearstack Health

Deine Werte im Kontext

Gearstack Health verbindet HRV, Schlaf und Training zu einer Tagesform mit klaren nächsten Schritten.

Gearstack Health ist ein Wellness- und Präventionsprodukt und kein Medizinprodukt. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Diagnose, Behandlung oder Notfallversorgung.

KI-gestützt erstellt, geprüft von Kristijan Bezjak, Gründer von Gearstack.