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HRV im Fußballtraining: was die Herzratenvariabilität dem Trainer wirklich sagt

Kristijan Bezjak29. August 20264 Min. Lesezeit

Fußballspieler beim Sprint mit Ball im Training.
Omar Ramadan · Pexels

Die Herzratenvariabilität hat den Sprung aus dem Labor in den Fußballalltag geschafft: Profivereine messen sie seit Jahren, und jede bessere Sportuhr liefert sie inzwischen frei Haus. Trotzdem wird kaum ein Wert häufiger missverstanden. Ein niedriger Wert gilt als Alarm, ein hoher als Freifahrtschein, und beides ist so pauschal falsch. Was die HRV im Fußballtraining wirklich kann, ist präziser und nützlicher.

Was die HRV misst, in einem Absatz

Das Herz schlägt nicht wie ein Metronom. Zwischen zwei Schlägen liegen mal 850, mal 920 Millisekunden, und genau diese Schwankung ist die Herzratenvariabilität. Gesteuert wird sie vom vegetativen Nervensystem: Der Erholungsnerv, der Parasympathikus, macht den Rhythmus unregelmäßiger, der Stressanteil macht ihn starrer. Eine hohe HRV im Schlaf oder in Ruhe bedeutet deshalb, dass der Körper gerade auf Erholung schaltet und Belastung wegstecken kann. Eine über Tage gedrückte HRV bedeutet, dass irgendetwas den Organismus beschäftigt: Training, Infekt, schlechter Schlaf, Prüfungen. Die HRV sagt nicht, was es ist. Sie sagt, dass es etwas gibt.

Der Fehler Nummer eins: Spieler vergleichen

Zwischen zwei gesunden Spielern derselben Mannschaft können 40 und 110 Millisekunden liegen, beide völlig normal. Die HRV ist so individuell wie die Schuhgröße, geprägt von Genetik, Alter und Fitness. Ein Kaderranking nach HRV ist deshalb sinnlos und richtet eher Schaden an, weil es den Spieler mit der genetisch niedrigen HRV zum Dauerpatienten erklärt. Sinnvoll ist ausschließlich der Vergleich jedes Spielers mit seiner eigenen Baseline, dem gleitenden Mittel der letzten Wochen. Weicht der aktuelle Wert deutlich nach unten ab, und zwar mehrere Tage in Folge, ist das ein Signal. Alles andere ist Tagesrauschen.

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Morgens messen oder nachts messen lassen

Brauchbar sind zwei Messfenster. Die klassische Morgenmessung direkt nach dem Aufwachen, im Liegen oder Sitzen, zwei bis drei Minuten, immer gleich. Oder die automatische Nachtmessung der Sportuhr, die den Schlaf als natürliches Ruhelabor nutzt. Für Mannschaften ist die Nachtmessung praktischer, weil sie ohne Disziplin funktioniert: Die Uhr misst, der Wert liegt morgens vor. Unbrauchbar sind dagegen Messungen zwischendurch, nach dem Kaffee, nach der Treppe, im Bus. Die HRV reagiert auf alles, deshalb lebt sie von identischen Messbedingungen. Ein Wert aus wechselnden Situationen ist kein Messwert, sondern ein Zufallsgenerator.

Das Muster, auf das Trainer achten sollten

Ein einzelner schlechter Morgen ist erlaubt, auch nach einem intensiven Spiel normal, die HRV ist am Tag danach fast immer gedrückt und erholt sich binnen 24 bis 48 Stunden. Interessant wird es, wenn die Erholung ausbleibt: HRV seit drei, vier Tagen unter der Baseline, Ruhepuls gleichzeitig ein paar Schläge über dem gewohnten Wert, dazu vielleicht kürzerer Schlaf. Dieses Muster ist der klassische Fingerabdruck unvollständiger Erholung, und es taucht in den Daten meist auf, bevor der Spieler selbst etwas sagt. Die richtige Reaktion ist unspektakulär: die nächste Einheit für diesen Spieler entschärfen, nachfragen, weiter beobachten. Fällt das Muster mit Halskratzen zusammen, gehört der Spieler ins Bett statt auf den Platz.

Vom Einzelwert zum Team: so wird es alltagstauglich

Im Verein scheitert die HRV selten an der Wissenschaft und meistens an der Logistik: 22 Spieler, verschiedene Uhrenmarken, und niemand hat Zeit, morgens 22 Apps zu prüfen. Praktikabel wird es, wenn die Werte automatisch an einer Stelle zusammenlaufen. Im Team-Dashboard von Gearstack teilt jeder Spieler seine Werte aus der eigenen Uhr frei, die Freigabe ist jederzeit widerrufbar, und der Trainer sieht eine Seite: jeder Spieler gegen seine eigene Baseline, auffällige Trends zuerst, dazu Belastung und Schlaf als Kontext. Wer keine Uhr trägt, meldet stattdessen kurz per Handy, wie er dasteht. So wird aus einem Laborwert ein Werkzeug, das vor dem Training eine halbe Minute kostet.

Häufige Fragen

Was ist eine gute HRV für einen Fußballspieler?
Es gibt keinen Zielwert. Die HRV ist hochindividuell, zwischen gesunden Spielern sind Unterschiede von Faktor zwei bis drei normal. Gut ist ein Wert im eigenen Normalbereich der letzten Wochen, auffällig ist ein mehrtägiges Abweichen nach unten.
Wie schnell erholt sich die HRV nach einem Fußballspiel?
Nach einem intensiven Spiel ist die HRV typischerweise 24 bis 48 Stunden gedrückt und kehrt dann zur Baseline zurück. Bleibt sie länger unten, spricht das für unvollständige Erholung, einen beginnenden Infekt oder zu dichte Belastung.
Reicht die HRV allein zur Trainingssteuerung?
Nein. Sie ist der belastbarste Einzelwert einer Sportuhr, aber erst die Kombination mit Ruhepuls, Schlaf, gefühltem Zustand und der Trainingsbelastung der Vortage ergibt ein Bild. Deshalb bündeln Readiness-Werte mehrere Größen.

Quellen

  1. Monitoring training status with HR measures: do all roads lead to Rome? (Buchheit)
  2. Training adaptation and heart rate variability in elite endurance athletes: opening the door to effective monitoring (Plews et al.)

Gearstack Health

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Gearstack Health verbindet HRV, Schlaf und Training zu einer Tagesform mit klaren nächsten Schritten.

Gearstack Health ist ein Wellness- und Präventionsprodukt und kein Medizinprodukt. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Diagnose, Behandlung oder Notfallversorgung.

KI-gestützt erstellt, geprüft von Kristijan Bezjak, Gründer von Gearstack.